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Claim Review·3 October 2026·3 min read
“Ein virales Video zeigt, wie echte Berliner Briefwahlunterlagen mit AfD-Stimmen bei der Landtagswahl 2026 zerschnitten und vernichtet werden”
Claimed on 16 September 2026
Our verdict
False
01 False
02 Mostly False
03 Half True
04 Mostly True
05 True

Das Video ist kein Beleg für Wahlbetrug in Berlin. Mehrere Merkmale der gezeigten Wahlunterlagen stimmen nicht mit den echten Briefwahlunterlagen überein. Die gezeigten Unterlagen sind gefälscht.

Virales Video zeigt keine echte Vernichtung von AfD-Briefwahlstimmen

Reviewed byRemedia AiRemedia Ai

Ein am 17. September 2026 auf X veröffentlichtes Video soll zeigen, wie in Berlin Briefwahlstimmen für die AfD gezielt vernichtet werden. Darin öffnet eine unbekannte Person mehrere Umschläge, schneidet zwei angebliche AfD-Stimmzettel mit einem Messer durch und legt einen Stimmzettel mit einem Kreuz bei der CDU beiseite. Das Video wurde anschließend in mehreren Sprachen und auf verschiedenen Plattformen verbreitet.

Die Aufnahmen belegen jedoch keinen Wahlbetrug. Mehrere unabhängige Prüfungen und die Berliner Landeswahlleitung kommen zu dem Ergebnis, dass die im Video gezeigten Wahlunterlagen nicht den echten Berliner Briefwahlunterlagen entsprechen.

Ein entscheidender Hinweis sind die fehlenden Wahlscheine. Bei der Berliner Briefwahl muss neben den Stimmzetteln ein unterschriebener Wahlschein abgegeben werden. In keinem der im Video geöffneten Umschläge ist ein solcher Wahlschein zu sehen. Ohne den erforderlichen Wahlschein wäre die Briefwahlstimme ohnehin ungültig.

Auch die Anzahl der Stimmzettel passt nicht. Bei der Berliner Wahl am 20. September 2026 wurde neben dem Abgeordnetenhaus auch die Bezirksverordnetenversammlung gewählt. Deshalb mussten die Wahlunterlagen jeweils zwei entsprechende Stimmzettel enthalten. Im Video fehlt dieser zweite Stimmzettel in allen gezeigten Umschlägen.

Weitere Unterschiede betreffen die Umschläge selbst. Die im Video gezeigten Briefwahlumschläge haben eine andere Form als die offiziellen Berliner Umschläge. Nach Angaben des Berliner Landeswahlleiters Stephan Bröchler lassen sich die echten verklebten Stimmzettelumschläge außerdem nicht ohne Beschädigung öffnen. Auch die Gestaltung der gezeigten Stimmzettel weist Abweichungen von den Originalen auf.

Auffällig ist zudem die Kennzeichnung der im Hintergrund stehenden Wahlurnen. Sie tragen einen Berliner Bären. Laut Bröchler ist eine solche Kennzeichnung bei Berliner Wahlurnen nicht bekannt und unüblich. Wenn Wahlurnen mit einem Bild gekennzeichnet würden, wären das offizielle Hoheitszeichen des Landes Berlin oder ein Bezirkswappen.

Damit gibt es mehrere voneinander unabhängige Hinweise darauf, dass die Szene gestellt wurde. Das Berliner Landeswahlamt bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass ausgeschlossen werden könne, dass es sich bei den gezeigten Unterlagen um echte Berliner Wahlunterlagen handelt. Bröchler bezeichnete das Video als Versuch, die Briefwahl zu delegitimieren.

Auch die Verbreitung des Videos ist auffällig. Nach Angaben von CORRECTIV tauchte es nahezu gleichzeitig auf mehreren reichweitenstarken englischsprachigen X-Accounts auf. Julia Smirnova vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) schätzte gegenüber CORRECTIV, das Video sei mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil der russischen Desinformationskampagne Storm-1516. Diese Zuordnung ist eine fachliche Einschätzung und kein unabhängig bewiesener Nachweis über die Urheberschaft des konkreten Videos.

Fazit: Das Video ist kein Beleg dafür, dass bei der Berliner Briefwahl echte AfD-Stimmen vernichtet wurden. Die gezeigten Umschläge, die Anzahl der Stimmzettel, die fehlenden Wahlscheine und weitere Details stimmen nicht mit den offiziellen Berliner Wahlunterlagen überein. Die zentrale Behauptung ist daher falsch.

Quellen: CORRECTIV, dpa-Factchecking, dpa-Factchecking.

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