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Claim Review·19 October 2026·4 min read
They all said it / Journalistenwatch
“Während der Unruhen in Frankreich wurde kein einziger muslimisch besessener Laden oder keine einzige Moschee geplündert, während in einer Straße in Marseille alle jüdisch besessenen Geschäfte angezündet wurden.”
Claimed on 17 October 2026
Our verdict
Mostly False
01 False
02 Mostly False
03 Half True
04 Mostly True
05 True

Bei den Ausschreitungen in Marseille wurden auch Geschäfte jüdischer Eigentümer beschädigt. Der Schutzdienst der jüdischen Gemeinde sieht bislang jedoch keine Belege für eine gezielte Auswahl aufgrund der Religion. Dass muslimische Geschäfte und Moscheen vollständig verschont blieben, ist ebenfalls nicht belegt.

Gezielte Angriffe auf jüdische Geschäfte in Marseille sind nicht bestätigt – pauschale Aussagen über muslimische Geschäfte und Moscheen sind unbelegt

Reviewed byRemedia AiRemedia Ai

Bewertung: Die Behauptung ist in dieser Form nicht belegt und irreführend verallgemeinert.

Am 17. Oktober 2026 kam es in mehreren französischen Städten zu gewaltsamen Ausschreitungen, Plünderungen und erheblichen Sachschäden. In Marseille wurden zahlreiche Geschäfte beschädigt oder ausgeraubt. Einige davon gehörten jüdischen Menschen. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch schließen, dass die Täter sie gezielt wegen der Religion ihrer Eigentümer auswählten. Ebenso fehlen ausreichende Belege für die Behauptung, während der Unruhen seien in ganz Frankreich ausnahmslos alle muslimisch geführten Geschäfte und sämtliche Moscheen verschont geblieben.

Woher stammt die Behauptung über jüdische Geschäfte?

Der französische Journalist Paul Amar äußerte sich am 18. Oktober 2026 in einer Sendung des Fernsehsenders CNews zu den Ausschreitungen. Er erklärte, die Täter hätten die Adressen mehrerer jüdischer Geschäftsinhaber in einer Straße von Marseille gekannt. Nach seinen Angaben seien dort alle Geschäfte jüdischer Eigentümer angezündet worden, während Geschäfte unter muslimischer Leitung verschont geblieben seien.

Amar nannte dabei weder die betreffende Straße noch die Zahl der Geschäfte oder seine Informationsquelle. Auch legte er in dem verbreiteten Ausschnitt keine Belege für eine zuvor erstellte Liste vor. Die Aussage wurde anschließend in sozialen Netzwerken weiterverbreitet, teilweise in verallgemeinerter Form. Die Recherche von Peter’s World vom 18. Oktober 2026 dokumentiert die ursprüngliche Aussage und weist auf die fehlenden unabhängigen Bestätigungen hin.

Die im hier geprüften Beitrag verwendete Formulierung geht zudem über Amars konkrete Aussage hinaus: Er sprach über Geschäfte in einer Straße, nicht über sämtliche muslimischen Geschäfte und Moscheen in Frankreich. Diese beiden Aussagen dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Was ist über die Schäden in Marseille bekannt?

Die Plünderungen selbst sind gut dokumentiert. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete am 18. Oktober, dass in Marseille Hunderte Geschäfte angegriffen worden seien. Betroffen waren unter anderem Luxusgeschäfte, Bekleidungsläden, Mobilfunkgeschäfte und andere Einzelhändler. Die Berichterstattung beschreibt ein großflächiges Ausmaß der Plünderungen, enthält jedoch keine vollständige Erfassung der Eigentumsverhältnisse nach Religion.

Siehe dazu den AFP-Bericht bei TV5MONDE sowie die Berichterstattung von Reuters vom 18. Oktober 2026 über die landesweiten Ausschreitungen. Beide Quellen bestätigen zahlreiche Plünderungen, liefern aber keinen Nachweis für eine systematische Auswahl von Geschäften nach der Religion ihrer Eigentümer.

Was sagt der Schutzdienst der jüdischen Gemeinde?

Der französische Service de protection de la communauté juive (SPCJ), der sich für den Schutz jüdischer Einrichtungen und Menschen einsetzt, bestätigte, dass bei den Ausschreitungen in Marseille mehrere Geschäfte beschädigt wurden, darunter solche von Personen jüdischen Glaubens. Zugleich erklärte der Dienst, dass zum damaligen Zeitpunkt keine Belege dafür vorlagen, dass diese Geschäfte aufgrund der Religion ihrer Betreiber gezielt ausgewählt worden waren. Der SPCJ warnte vor der Weiterverbreitung unbestätigter Informationen.

Diese Einschätzung wurde am 18. Oktober vom französischsprachigen Medium IsraJ unter Bezug auf die Mitteilung des SPCJ veröffentlicht. Auch Bruno Benjamin, Vorsitzender des regionalen jüdischen Dachverbands CRIF für Marseille-Provence, erklärte gegenüber JNS, dass jüdische Menschen in Marseille bei dieser Ausschreitungswelle offenbar nicht gezielt körperlich angegriffen oder als Opfer ausgewählt worden seien. Seine Aussage ist keine abschließende polizeiliche Untersuchung, steht aber im Widerspruch zur Darstellung, eine systematische antisemitische Auswahl sei bereits erwiesen. Der Bericht von JNS dokumentiert seine Einschätzung.

In Paris wurde außerdem eine Synagoge beschädigt. Laut den ersten Berichten war das Motiv des Eindringens zunächst nicht geklärt; neben einem möglichen Einbruch wurde auch die Frage eines antisemitischen Hintergrunds untersucht. Dieser Vorfall ist getrennt von den Plünderungen in Marseille zu bewerten und belegt nicht, dass Moscheen während der landesweiten Unruhen grundsätzlich verschont geblieben seien.

Fazit

Bestätigt ist, dass zahlreiche Geschäfte in Marseille geplündert oder beschädigt wurden und darunter auch Geschäfte jüdischer Eigentümer waren. Nicht bestätigt ist, dass sämtliche jüdischen Geschäfte einer Straße gezielt wegen der Religion ihrer Eigentümer angezündet wurden. Ebenso fehlen belastbare Belege für die pauschale Behauptung, kein muslimisch geführtes Geschäft und keine Moschee seien während der Unruhen in ganz Frankreich geplündert worden. Dass in den ausgewerteten Berichten keine entsprechenden Fälle dokumentiert sind, beweist nicht, dass es keine gab. Für eine abschließende Bewertung wären überprüfbare Angaben zu den betroffenen Geschäften, Zeugenaussagen und gegebenenfalls Ermittlungsergebnisse zum Motiv der Täter erforderlich.

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