“Die weiße LED an den Ray-Ban-Meta-Brillen zeige Umstehenden auch aus bis zu fünf Metern Entfernung „klar erkennbar“ an, dass gefilmt oder fotografiert wird. Heimliche Aufnahmen seien daher nicht möglich, ein Verbot nach § 8 TDDDG sei unbegründet.”
Größtenteils falsch: Ein behördlicher Prüfbericht aus Hamburg, eine repräsentative Umfrage und mehrere begutachtete Studien zeigen, dass die LED Umstehende in vielen Situationen nicht zuverlässig warnt. Draußen ist sie schlecht sichtbar, bei KI-Funktionen leuchtet sie teils gar nicht, sie lässt sich verdecken, und die meisten Menschen verstehen das Signal nicht.
Behauptung: Die weiße LED an den Ray-Ban-Meta-Brillen zeige Umstehenden „klar erkennbar“ an, dass gerade gefilmt oder fotografiert wird. Heimliche Aufnahmen seien deshalb nicht möglich, und für ein Verbot nach § 8 TDDDG gebe es keine Grundlage.
Bewertung: Größtenteils falsch. Eine behördliche Laboruntersuchung, eine repräsentative Umfrage und mehrere begutachtete Studien kommen alle zu dem Ergebnis, dass die LED Umstehende in vielen Situationen nicht zuverlässig warnt.
Die Aussage geht auf die Bundesnetzagentur zurück, die in Deutschland für Verbote nach § 8 TDDDG zuständig ist. Die Behörde hat diese Einschätzung laut Berichterstattung auf Presseanfragen hin abgegeben. Eine öffentlich verlinkbare Originalquelle gibt es nicht. Laut ihr ist das LED-Licht, auch aus einer Entfernung von bis zu fünf Metern, „klar erkennbar“.
Dazu passt die Position des Herstellers: Die Aufnahme-LED an Metas Ray-Ban-Brillen blinkt, solange aufgenommen wird, und hat laut Meta keinen Ausschalter.
Das Gesetz verbietet Geräte, die „mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs verkleidet sind und aufgrund dieser Umstände oder aufgrund ihrer Funktionsweise in besonderer Weise geeignet und dazu bestimmt sind“, Menschen unbemerkt abzuhören oder aufzunehmen. Ein Gerät gilt dabei insbesondere dann als verboten, „wenn ihre Abhör- oder Aufnahmefunktion beim bestimmungsgemäßen Gebrauch des Gegenstandes für den Betroffenen nicht eindeutig erkennbar ist.“ Deshalb kommt es darauf an, ob die LED wirklich sichtbar ist.
Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs ist innerhalb Deutschlands für Meta zuständig. Er hat die erste und zweite Generation der Brille technisch untersucht und am 10. September 2026 seinen Abschlussbericht veröffentlicht. Wie CORRECTIV berichtet, widerspricht das Ergebnis der Bundesnetzagentur deutlich.
Das Licht sei in vielen Umgebungen nicht gut erkennbar, besonders draußen und bei Sonne. Signalwirkung entfalte die Leuchte regelmäßig nur bei Personen, die in direkter Nähe stehen und nahezu frontal auf die Brille schauen.
Bei den KI-Funktionen sieht es noch schlechter aus, etwa wenn Träger Fragen zur Umgebung stellen. Laut CORRECTIV leuchtet die LED dabei beim Modell Gen 1 nur schwach und beim Gen 2 überhaupt nicht. Die Bundesnetzagentur hat das Gen-2-Modell bisher nicht geprüft und bewertet die bereits geprüften Brillen derzeit auch nicht neu.
Der Bericht zeigt außerdem eine Lücke im Schutz gegen Manipulation: Ob die LED verdeckt ist, prüft die Brille nur beim Start einer Videoaufnahme. Zudem lässt sich die LED nach Beginn einer Aufnahme mit einer Abdeckung verdecken, wodurch der vorgesehene Schutzmechanismus umgangen werden kann. Die Bundesnetzagentur erklärte dazu gegenüber CORRECTIV, dass die bloße Möglichkeit einer Manipulation für ein Verbot nicht ausreiche.
Einschränkung: CORRECTIV weist darauf hin, dass im Hamburger Bericht teilweise unklar bleibt, aus welchen Entfernungen und Blickwinkeln getestet wurde. Fuchs selbst sagte, er könne die Bewertung der Bundesnetzagentur „abstrakt nachvollziehen“, hätte sich wegen der konkreten Gestaltung der LED aber auch ein anderes Ergebnis vorstellen können.
Selbst wer die LED sieht, weiß oft nicht, was sie bedeutet. CORRECTIV berichtet über eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag von HateAid, einer Organisation gegen digitale Gewalt:
Zusammengerechnet erkennen also 61 Prozent in Deutschland die Aufnahme-LED nicht. Das ist rechtlich wichtig, weil § 8 TDDDG ausdrücklich auf die Sicht der „Betroffenen“ abstellt, also der Menschen, die gefilmt werden.
Die wissenschaftliche Literatur kommt seit Jahren zum gleichen Ergebnis. Eine auf der CHI 2024 veröffentlichte Studie hält fest: „While most recording devices make use of LEDs to notify bystanders, LEDs are bad privacy indicators, and bystanders often do not understand what they signify.“ (ACM)
Eine auf der CHI 2026 vorgestellte Arbeit fasst den Forschungsstand ähnlich zusammen: „Although many devices include LED indicators, such cues often remain imperceptible at distance, easily obstructed, or socially ambiguous“ (ACM). In dieser Studie mit 525 Befragten in China hielten nur 6,1 Prozent der Umstehenden die Aufnahme-LED allein für ausreichend.
Auch andere Forschende kommen zu diesem Schluss. LEDs seien „difficult to see in bright sunlight, unnoticeable at a distance or in crowds, and largely unrecognized by the general public“ (arXiv).
Digitalpolitikerinnen von SPD, Grünen und Linken widersprechen der Bundesnetzagentur. Carolin Wagner (SPD) nennt die Kennzeichnung durch die LED „absolut unzureichend“ und fordert, die Entscheidung zu überprüfen. Jeanne Dillschneider (Grüne) schlägt zusätzlich ein akustisches Signal bei Filmaufnahmen vor. Donata Vogtschmidt (Linke) fordert ein grundsätzliches Verbot auf Bundesebene. Potsdam hat die Brillen bereits in Schwimmbädern und Saunen verboten, Hamburg plant ein Verbot auch für den Nahverkehr (CORRECTIV).
Ob die Brillen nach § 8 TDDDG verboten werden müssen, ist letztlich eine rechtliche Abwägung, die die Bundesnetzagentur trifft. Die Tatsachenbehauptung, die LED sei „klar erkennbar“, hält den verfügbaren Belegen aber nicht stand: