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Claim Review·7 October 2026·3 min read
They all said it / Journalistenwatch
“Ein Schreiben der Ärztekammer Nordrhein vom 7. September 2021 berichtet, dass es in Oberhausen nach Durchführung von 90 Auffrischungsimpfungen in einem ASB-Haus zahlreiche schwere Komplikationen, einen Todesfall und zwei Reanimationen gab.”
Claimed on 6 September 2021
Our verdict
Mostly False
01 False
02 Mostly False
03 Half True
04 Mostly True
05 True

Die medizinischen Ereignisse in Oberhausen sind dokumentiert. Der behauptete Todesfall nach einer Auffrischungsimpfung fand jedoch nicht statt: Die verstorbene Person war nicht geimpft. Auch für die übrigen Erkrankungen ist kein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung nachgewiesen.

Oberhausen 2021: Was das Schreiben über schwere Impfreaktionen tatsächlich belegt

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Behauptung: teilweise falsch. Die beschriebenen medizinischen Ereignisse haben tatsächlich stattgefunden. Der behauptete Todesfall nach einer Impfung jedoch nicht. Außerdem ist nicht belegt, dass die übrigen Erkrankungen durch die Auffrischungsimpfung verursacht wurden.

Am 1. September 2021 wurden im ASB Seniorenzentrum Oberhausen-Holten rund 90 Bewohner mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer aufgefrischt. Nach Angaben der Stadt Oberhausen traten am 4. September bei neun der geimpften Personen gesundheitliche Störungen auf. Genannt wurden vor allem Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und neurologische Beschwerden. Zwei der betroffenen Personen mussten reanimiert werden. Die Stadt Oberhausen dokumentierte die Ereignisse in einer offiziellen Stellungnahme.

Der entscheidende Punkt betrifft jedoch den Todesfall. In der ersten Kommunikation über die Ereignisse wurde tatsächlich von einem Todesfall berichtet. Das Schreiben der Ärztekammer Nordrhein vom 7. September übernahm diese Information und sprach von „einem Todesfall und zwei Reanimationen“.

Die Information über den Todesfall wurde anschließend korrigiert. Die Stadt Oberhausen stellte ausdrücklich klar, dass die verstorbene Person keine Auffrischungsimpfung erhalten hatte. Sie war zuvor palliativ betreut worden. Auch die Ärztekammer Nordrhein veröffentlichte am 9. September 2021 eine entsprechende Klarstellung: Es habe keinen Todesfall infolge einer Auffrischungsimpfung gegeben. Die Ärztekammer verwies dabei ausdrücklich auf die Stellungnahme der Stadt Oberhausen.

Damit ist die Aussage, nach 90 Auffrischungsimpfungen sei ein Mensch gestorben, falsch. Die verstorbene Person gehörte nicht zu den geimpften Bewohnern.

Anders sieht es bei den neun Erkrankungen und den zwei Reanimationen aus. Diese Ereignisse sind dokumentiert. Sie beweisen jedoch nicht, dass die Impfungen ihre Ursache waren. Die offizielle Darstellung des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums spricht ausdrücklich von gesundheitlichen Störungen, die sich „in zeitlichem Zusammenhang“ mit den Impfungen ereigneten. Ein zeitlicher Zusammenhang allein reicht medizinisch nicht aus, um eine Nebenwirkung festzustellen. Das geht auch aus der entsprechenden Landtagsvorlage hervor.

Die Fälle wurden dennoch ernst genommen und als mögliche unerwünschte Impfreaktionen gemeldet. Die impfende Ärztin erstattete eine Verdachtsmeldung an das Paul-Ehrlich-Institut. Die offiziellen Stellen unterschieden damit zwischen einem beobachteten Ereignis nach einer Impfung und einem tatsächlich nachgewiesenen ursächlichen Zusammenhang.

Auch die Ärztekammer Nordrhein selbst stellte später klar, wie ihr Schreiben vom 7. September einzuordnen war. Es sei nicht als grundsätzliche Warnung vor Auffrischungsimpfungen gedacht gewesen. Vielmehr sollten die Ärzte darüber informiert werden, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine entsprechende STIKO-Empfehlung vorlag und Auffrischungsimpfungen deshalb individuell ärztlich abgewogen werden mussten. Das erklärte die Ärztekammer am 9. September 2021 selbst.

Auch die regulatorische Situation wird in der aktuellen Darstellung verkürzt. Comirnaty war zu diesem Zeitpunkt bereits in der EU zugelassen. Die EMA prüfte Anfang September 2021 lediglich die Erweiterung der Anwendung um eine Auffrischungsdosis. Am 6. September begann die entsprechende Prüfung; am 4. Oktober 2021 empfahl die EMA schließlich eine Booster-Dosis für Erwachsene. Die vollständige Zulassungsgeschichte dokumentiert die EMA.

Dass Impfstoffe seltene schwere Nebenwirkungen haben können, steht damit nicht im Widerspruch. Die Sicherheit von COVID-19-Impfstoffen wurde bereits 2021 fortlaufend überwacht. So veröffentlichte die EMA am 8. September 2021, einen Tag nach dem Schreiben, ein weiteres Sicherheitsupdate zu Comirnaty. Darin wurden die bis dahin ausgewerteten Sicherheitsdaten zusammengefasst. EMA, Sicherheitsbericht vom 8. September 2021.

Fazit: Das Ereignis in Oberhausen war real und die zwei Reanimationen sowie die Erkrankungen von neun geimpften Personen verdienen eine sachliche Betrachtung. Das Schreiben der Ärztekammer ist ebenfalls echt. Es belegt jedoch keinen durch die Impfung verursachten Todesfall. Der Todesfall betraf eine nicht geimpfte, palliativ betreute Person. Für die übrigen Erkrankungen ist ein zeitlicher Zusammenhang dokumentiert, aber kein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung nachgewiesen.

Die Behauptung, das Schreiben habe bereits 2021 bewiesen, dass die Corona-Impfungen in diesem Pflegeheim zahlreiche schwere Erkrankungen und einen Todesfall verursacht hätten, wird durch die verfügbaren offiziellen Belege daher nicht gestützt.

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